Ostthüringer Zeitung - Welpen aus Hohenleuben werden Führhunde für Blinde

Nah dran: Einer der von Familie Harlaux in Hohenleuben aufgezogenen Welpen ist jetzt in der Blindenführhundschule in Arnstadt und soll bald mit seiner Ausbildung beginnen.

Hohenleuben. „Es wird Tränen geben“, ist Elke Harlaux überzeugt. Sie und ihre Familie haben sich in dieser Woche von Kando verabschiedet, der seine Kindheit in Hohenleuben verbracht hat. Elke und Andreas Harlaux ziehen Hunde groß, die später zu Blindenführern ausgebildet werden sollen. Damit sie vor der harten Arbeit eine unbeschwerte Kindheit erleben können, engagieren sich die Hohenleubener ehrenamtlich.

 

Labrador-Rüde Kando läuft aufgeregt durchs Haus und in den Garten, die Golden-Retriever-Hündin Kimba ebenfalls. „Sie spüren, dass heute etwas passieren wird. Kimba wird ihn sehr vermissen und er sie erst recht“, sagt Elke Harlaux, die amüsiert erzählt, wie die beiden Jung-Hunde miteinander gespielt und gebalgt haben und wie sie eine Angewohnheit der Haus-Hündin Zoe – das Pfötchengeben – nachmachen.

 

Ernst des Lebens beginnt

Auch die Söhne von Elke und Andreas Harlaux waren gekommen, um sich von Kando zu verabschieden. „Er ist uns allen ans Herz gewachsen“, sagt Elke Harlaux. Kando ist an diesem Tag besonders verschmust, sucht ständig den Kontakt zu der Familie, deren Teil er in den letzten Monaten geworden ist. Dann klingelt es an der Tür und das tierische Begrüßungskommando stürmt die Treppen hinunter.

 

Katharina Richter aus Arnstadt steht vor der Tür. Sie bildet Blindenführhunde aus, vielleicht auch Kimba und Kando. Während die Hündin noch eine Weile in Hohenleuben bleiben kann, geht für Kando der Ernst seines Lebens los. „Zunächst einmal überprüfen wir sein Wesen, testen, ob er als Blindenführhund geeignet ist“, sagt Richter. Der Rüde muss in der Stadt an der Leine laufen und dabei entspannt bleiben, seine Reizschwelle muss hoch sein, er darf keine Angst vor Unbekannten haben und er muss mit bislang fremden Dingen umgehen können. „Mit Skulpturen, die irgendwo aufgestellt sind beispielsweise“, sagt die Arnstädterin. Die Liste der Eigenschaften, die ein Blindenführhund mitbringen muss, ist noch länger: lernfähig, arbeitswillig, belastbar, kinderfreundlich, wenig geräuschempfindlich, stressfrei inmitten von Menschenansammlungen sowie in Einkaufszentren und anderen Hunden gegenüber freundlich.

 

Kontakt zu Zöglingen bleibt bestehen

Wenn ein Hund über all diese Eigenschaften verfügt, kann mit der Ausbildung begonnen werden. Für das Tier gelten dann klare Regeln: Wenn das Führgeschirr angelegt ist, heißt das: Arbeit. Am Tag sollte er zwei Stunden am Stück führen könnten. Die Kosten für die Ausbildung werden von den Krankenkassen übernommen, „Blindenführhunde sind das einzige lebendige Hilfsmittel“, weiß Richter.

 

Hat der Hund das Geschirr nicht um, dann ist Freizeit angesagt. „Das Spiel mit Artgenossen ist ganz wichtig. Der Blindenführhund soll Spaß haben wie jeder andere Hund auch“, betont Katharina Richter.

 

In einer Großstadt kann ein Blindenführhund bis zum zehnten oder elften Lebensjahr arbeiten, dann sollte er in Rente geschickt werden. Entweder bleibt er dann in der Familie des Blinden oder aber er wird von einer Pflegefamilie aufgenommen und darf dort seinen Lebensabend verbringen.

 

Obwohl Familie Harlaux der Abschied von Kando und bald auch von Kimba schwerfällt, freuen sie sich, weil sie die Tiere nicht aus den Augen verlieren werden. „Bislang haben wir zu allen Hunden Kontakt, die wir hier aufgezogen haben“, erzählt Elke Harlaux, die davon ausgeht, dass das bei den beiden aktuellen Zöglingen ebenfalls so sein wird.

 

Es gibt sogar regelmäßig Treffen von Blinden mit ihren Hunden und denen, die sie aufgezogen und ausgebildet haben. Die Hohenleubener wollen auch weiterhin die verantwortungsvolle Aufgabe übernehmen, künftigen Blindenführhunden eine glückliche und unbeschwerte Kindheit zu ermöglichen.

 

Katja Grieser / 27.02.16